Der Ablauf einer Psychotherapie.

Eine Information für Eltern und Erziehungsberechtigte:

Das Erstzugangsrecht

Seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes im Januar 1999 gibt es ein sogenanntes Erstzugangsrecht zu nichtärztlichen PsychotherapeutInnen, d.h. Sie können mit der Krankenkassen-Chipkarte Ihres Kindes direkt zu einem Kinder-und-Jugendlichenpsychotherapeuten / einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin gehen.

Das Erstgespräch

Zunächst rufen Sie bei der Therapeutin oder dem Therapeuten Ihrer Wahl an.

Die meisten TherapeutInnen haben feste telefonische Sprechzeiten, zu denen sie direkt zu erreichen sind, oder aber Sie hinterlassen auf dem Anrufbeantworter Ihre Telefonnummer und lassen sich zurückrufen. Hilfreich ist es, Zeiten anzugeben, in denen Sie gut zu erreichen sind.

Telefonisch wird dann ein persönliches Erstgespräch vereinbart. Dieses Erstgespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen und der Klärung der Frage, ob eine Psychotherapie die geeignete Hilfe für Sie und Ihr Kind ist.

Sie müssen damit rechnen, dass alle Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen Wartezeiten haben, bevor eine Therapie mit regelmäßigen wöchentlichen Terminen beginnen kann.

Die probatorischen Sitzungen

Entschließen Sie sich zu einer Therapie, können sie Probestunden in Anspruch nehmen, die sog. „probatorischen Sitzungen“. Die Krankenkassen (bis auf einige Privatkassen) finanzieren bis zu 5 probatorische Sitzungen vor Behandlungsbeginn.

Sie haben das Recht, weitere Probesitzungen auch bei anderen BehandlerInnen in Anspruch zu nehmen. So haben sie Zeit und Gelegenheit verschiedene TherapeutInnen kennenzulernen, falls Sie sich nicht sofort entscheiden können.

Die Kostenübernahme

Wenn Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind sicher geworden sind, dass Sie eine Therapie bei einer Behandlerin, einem Behandler beginnen wollen, stellen Sie den Antrag auf Kostenübernahme einer Psychotherapie bei Ihrer Krankenkasse. Falls Sie gesetzlich versichert sind, bekommen Sie das dafür notwendige Formular von Ihrer Therapeutin, Ihrem Therapeuten. Sind Sie privat versichert, fordern Sie selbst die notwendigen Formulare bei Ihrer Krankenkasse an.

Eine selbst finanzierte Therapie bietet die Möglichkeit, ohne Datenweitergabe und Einschränkungen bei der Therapiemethode die Behandlerin/den Behandler frei zu wählen.

Der Konsiliarbericht

Für den Antrag auf Kostenübernahme einer Psychotherapie bei einer nichtärztlichen Psychotherapeutin/Psycho-therapeuten benötigen Sie einen Konsiliarbericht von Ihrem Hausarzt, oder einem Facharzt, bei dem Ihr Kind in Behandlung ist. Mit diesem Konsiliarbericht soll von ärztlicher Seite bescheinigt werden, dass keine körperliche Erkrankung vorliegt, die gegen eine Psychotherapie spricht. Das hierfür notwendige Formular wird Ihnen Ihre Therapeutin, Ihr Therapeut mitgeben, bzw. Ihre private Krankenkasse zuschicken.

Wenn Sie eine Kostenzusage erhalten haben, kann die Therapie beginnen.

Wie lange dauert eine Therapie?

Ihre Therapeutin, Ihr Therapeut wird mit Ihnen besprechen, in welchem Umfang eine Psychotherapie sinnvollerweise beantragt werden sollte. Eine Kurzzeittherapie umfasst 25 Therapiestunden, eine Langzeittherapie zunächst 50 Therapiestunden. Verlängerungen sind möglich. Die Länge der Therapie richtet sich nach Art und Umfang der zu behandelnden Störung. Zusätzlich zu den Psychotherapiestunden für die Kinder und Jugendlichen werden immer auch Stunden für die Arbeit mit den Bezugspersonen (Eltern, Erzieher) beantragt und von den Krankenkassen bewilligt. Jugendliche entscheiden selbst oder mit, ob und in welcher Weise die Bezugspersonen in die Therapie eingebunden werden.

Das Gutachtenverfahren

Bei Beantragung einer Langzeittherapie schreibt Ihre Therapeutin, Ihr Therapeut einen anonymisierten Bericht an den Gutachter, die Gutachterin der Krankenkasse, der über die Bewilligung entscheidet. (So ist die Schweigepflicht der Krankenkasse gegenüber gewahrt.) Auch bei Verlängerungsanträgen sind Berichte an GutachterInnen erforderlich. Ein Antrag auf Kurzzeittherapie wird in der Regel innerhalb ein bis zwei Wochen ohne GutachterIn entschieden. Handelt es sich um einen Langzeit- oder Verlängerungsantrag müssen Sie sich aufgrund des Gutachtenverfahrens auf eine etwas längere Wartezeit einstellen, etwa drei bis sechs Wochen.

Schweigepflicht

Zu jeder einzelnen Therapiestunde, jedem Gespräche, sowie zu Tests und auszufüllenden Fragebögen werden von den meisten TherapeutInnen Notizen angefertigt. Alle Informationen, die sie der Therapeutin, dem Therapeuten geben, sowie deren sämtliche Aufzeichnungen sind selbstverständlich streng vertraulich. Wenn Ihre Therapeutin, Ihr Therapeut mit jemand anderem (z.B. einer Lehrerin) über Ihr Kind reden möchte, müssen Sie sie oder ihn erst schriftlich von der Schweigepflicht entbinden. Dies ist sehr wichtig und ermöglicht Vertrauen und Offenheit.

Der Verlauf einer Psychotherapie

Die Behandlung besteht in der Regel in einem wöchentlichen Behandlungstermin à 50 Minuten. Abweichungen von diesem Rhythmus sind möglich und können vereinbart werden.

Zu Beginn der Therapie wird es erst einmal darum gehen die Vorgeschichte des Problems herauszufinden. Hierzu dienen Gespräche, aber es kann auch nötig sein, Tests durchzuführen oder Fragebögen auszufüllen.

Bei jedem Menschen verläuft die Therapie anders. Es geht um die Vereinbarung von Behandlungszielen, die entsprechende Veränderung des Problems, des damit verbundenen Verhaltens oder der Haltung dazu. Psychische Probleme und Störungen verschwinden meist nicht schnell und mühelos. Veränderungen müssen manchmal gegen innere Widerstände beim Kind, aber möglicherweise auch bei den Eltern und Geschwistern durchgesetzt werden. Manchmal werden dadurch bisher verdeckte Probleme sichtbar gemacht oder neue Probleme aufgeworfen. Während einer Psychotherapie können alle beteiligten Personen und Familienmitglieder Perioden der Skepsis erleben; Rückfälle, Krisen, aber auch positive Höhepunkte können sich einstellen.

Der Therapieabschluss

Die Therapie ist dann abgeschlossen, wenn das vereinbarte Behandlungsziel erreicht, oder weitgehend erreicht ist. Manchmal führen auch äußere Umstände zu einer Beendigung der Therapie wie z.B. ein Ortswechsel , das Ende der von der Krankenkasse bewilligten Therapiestunden oder veränderte Lebensumstände.

Die letzten Therapiestunden sollten dafür genutzt werden, Selbstmanagementfähigkeiten zu erarbeiten, mit denen Sie und Ihr Kind die in Zukunft auftretenden Schwierigkeiten selbständig lösen können. Mögliche Problemstellungen oder Rückfälle, die in der Zeit nach der Therapie auftauchen könnten, werden besprochen und Lösungsstrategien entwickelt.

Um den Abschied aus der Therapie zu erleichtern und die Unabhängigkeit und Selbständigkeit Ihres Kindes zu stärken, können die zeitlichen Abstände zwischen den Terminen verlängert, die Therapie so langsam ausgeblendet werden. Auch kann ein zusätzlicher Termin vereinbart werden, der einige Monate nach Therapieschluss stattfindet.

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